Vom Bullet Journal und kreativem-unter-Druck-setzen

Bullet Journal

Eigentlich würde ich mich nicht als kreative Person einstufen. Klar, ich male gerne und probiere mich hier und da an ein paar DIYs aus dem www, aber für mich war ‚kreativ‘ immer eher für die Menschen reserviert, die diese ganzen Dinge, die ich nur nachmache, tatsächlich als Erste ins Internet gesetzt haben. Es gibt viele künstlerische Outlets – Aquarellmalerei, Sketchnotes, was auch immer, bei denen ich mich selbst als komplett untalentiert beschreiben würde. Aber ich liebe sie trotzdem. Und genau mit dieser komischen Hassliebe habe ich mein erstes Bullet Journal angefangen.

Man braucht ‚Bullet Journal‘ nur einmal kurz bei Instagram oder Pinterest (hier findet ihr die Boards von Leo und mir zum Thema Bullet Journaling) eingeben und schon kann man sich vor wunderschönen Spreads und perfekt inszenierter Fotografie kaum retten. Für mich am Anfang ziemlich demotivierend, weil ich die Ansprüche an mein eigenes Journal viel zu hoch gesetzt habe. Was die können, muss ich ja schließlich auch aus dem Ärmel schütteln, richtig? (nein.) Bis ich es halbwegs geschafft hatte, mich von dem Neid auf andere Bullet Journals loszusagen, sind Monate vergangen. Und jetzt, knapp ein Jahr, nachdem ich mein erstes BuJo angefangen habe, bekomme ich immer noch Spread Envy, wenn ich kreative Leute sehe, denen so etwas derart einfach von der Hand geht.

Bullet Journal

Ich habe das Bullet Journal für mich entdeckt, weil ich eine Listen-liebende, Organisations-vernarrte Person bin, die sich nie wirklich mit normalen Planern anfreunden konnte. Die Lösung hieß dann immer ein Planer, ein Notizbuch, ein Heftchen für Zitate und vielleicht noch ein Tagebuch nebenbei. Ist doch top, immer den halben Hausrat in der Tasche mit sich rumzuschleppen. Letztendlich ist ein Bullet Journal ja auch nicht anderes, als ein leeres Notizbuch. Für mich und viele andere da draußen, vereint es all die Funktionen von eben in einem Buch. Ein klares Win für meine geliebte Tasche, an der mittlerweile ein Henkel abzureißen droht.

The Bullet Journal is like a potato.

It seems boring and bland and easily replaced by flashier starches like couscous and black forbidden rice, but the potato is special not for what it is but it what it can become. Tell couscous to turn into a French fry, and we’ll talk. Until then, the potato is king simply because it can be whatever you want it to be.

Ein Zitat, bei dem ich sehr lachen musste, weil es einfach so wahr ist!

Es gibt genügend Blogposts, YouTube Videos und und und, die einem Bullet Journaling in all seinen Möglichkeiten näher bringen. Falls ihr noch nie davon gehört habt, schaut mal hier vorbei, um euch einen Überblick zu verschaffen. Aber ganz ehrlich: es ist so ein subjektives Thema, allein schon angefangen bei dem Grad der kreativen Zeichnungen, mit denen man das Bujo aufhübscht oder der Anzahl an Trackern, die man am Tag ausfüllen will.

Ich habe am Anfang viel rumprobiert und mir dabei viel zu viel zugemutet, was gar nicht zu mir gepasst hat. An dem Punkt angekommen, an dem ich ungefähr 10 Gewohnheiten, meine Tage, meine Laune (die zunehmend bei dem Gedanken an Tracker ausfüllen in den Keller sank) und meinen Schlaf und was weiß ich noch in mein Bullet Journal eintragen musste, blieb mir nichts anderes übrig, als die Reißleine zu ziehen, bevor ich das Experiment Bullet Journal als Ganzes abgebrochen hätte. No.1 Tipp: was für andere passt, muss nicht das Richtige für mich sein. PUNKT. Klar, es ist cool, viele bunte Spreads zu haben, die man stolz am Ende des Monats Revue passieren lässt. Jedoch ist der eigentlich Sinn der Sache, ein Notizbuch genau an sich anzupassen, dabei ohne Rettungsring über Bord gegangen.

Deswegen will ich hier eine kleine Serie anfangen, in der ich euch Layouts zu verschiedenen BuJo Angelegenheiten zeige. Seien es Weeklies, Tracker oder was auch immer man noch so anfangen kann. Viele davon habe ich selbst ausprobiert und bin aus ihnen rausgewachsen. Aber zu der Zeit haben sie für mich perfekt funktioniert. Dadrin liegt für mich auch der Spaß am Bullet Journal. Mal was Neues ausprobieren. Am Anfang habe ich ’nur‘ die Spreads anderer, ‚kreativerer‘ Menschen 1:1 in mein Bujo übernommen und mich dabei ein bisschen nachmacherisch gefühlt. Aber ganz ehrlich – ich weiß heute nicht mehr, worin mein Problem bestand. Nachdem ich die Spreads eine Weile ausprobiert hatte, konnte ich selbst Dinge ändern, die mich gestört haben. Und bei vorgefertigten Planern macht man sich diese ’nicht-kreativ-genug‘ Gedanken ja schließlich auch nicht.

Bullet Journal

Also, ran an die Journals! Man braucht kein fancy Notizbuch oder hundert verschiedene Stifte, um damit anzufangen. Aber wem will ich hier etwas vormachen. Ich, übermotiviert wie ich am Anfang eines neuen Projektes bin, habe diesen Satz selbstverständlich nicht beherzigt und Amazon halb leer gekauft. Meine Empfehlungen für den Start in kurz:

  • Leuchtturm 1917 Journal in Dot Grid (basic, ich weiß, aber ich habe mittlerweile mein zweites angefangen und liebe es nach wie vor)
  • Staedtler Pigment Liner in 0.3 (drückt nicht durch, aber manchmal sieht man auf der anderen Seite leichte Schatten der Schrift, was mich persönlich nicht stört)
  • Crayola Supertips Markers (50er Pack Filzstifte für knapp 10 Euro – sie halten schon ein Jahr häufige Nutzung perfekt durch und ich wünschte, ich hätte sie als Kind auch gehabt)
  • Tombow Duals Brush Pens (die sind eher für Hand Lettering geeignet, für das man ein bisschen üben muss)

So, das muss fürs erste reichen. Um auf das Zitat zurückzukommen: legt euch eine Kartoffel zu. Probiert das Prinzip Bullet Journal aus, in welcher minimalistischen oder überladenen Form auch immer.

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