C’est ma vie #1 | Auslandsjahr in Le Havre, FR

Auslandsjahr: Vorbereitungne und erste Erfahrungen

Ich bin jetzt ziemlich genau einen Monat hier in Frankreich. Noch wenige Wochen vor dem Aufbruch konnte ich es gar nicht richtig realisieren, dass es nun endlich losgehen sollte. Das Auslandsjahr, von dem ich seit dem Abi geträumt habe. Ein Punkt auf meiner Bucket List, den ich nun abhaken kann.

Ganz ehrlich? Ich bin schon ein bisschen stolz auf mich, dass ich das mache. Denn eigentlich bin ich kein Abenteuertyp. Stimmt schon, ich war mehrere Jahre Pfadfinderin und habe dort Dinge erlebt, die andere bestimmt schon als kleine Abenteuer bezeichnen würden. Für mich zählt das aber nicht wirklich. Wenn ich an Abenteuer denke, kommt mir eine Studienfreundin in den Sinn, die eine halbe Weltreise hinter sich hat. Und eine andere, die diesen Sommer alleine mit ihrem Rucksack durch Portugal gereist ist. Das sind für mich Abenteuer. Und dagegen kommt mir so ein Auslandsjahr auch wieder klein vor. Im Endeffekt ist es wie immer im Leben nicht sinnvoll, sich mit anderen zu vergleichen. Für mich ganz persönlich ist so ein Jahr im Ausland, in Frankreich, doch ein ganz schönes Abenteuer.

Zuerst zu dem, was euch sicher alle beschäftigt: Warum Le Havre? Vor meinem Auslandsjahr haben mir gefühlt alle Leute diese Frage gestellt. Le Havre hat keinen guten Ruf. Die Stadt ist als hässliche Betonwüste verschrien und auch ich war nicht wirklich begeistert, fast ein Jahr lang dort leben zu müssen. Aber es war die einzige Möglichkeit in meinem Studiengang, wenn ich nicht meine Bachelorarbeit auf französisch schreiben wollte. Was mir schlussendlich wirklich dabei geholfen hat mit dem Gedanken warm zu werden?

Zum einen ein Artikel, den mir meine Mama per Post geschickt hat. Und dann Instagram. Wo, wenn nicht dort, findet man die perfekt inszenierten Fotos einer Stadt, die schönsten Ecken und vielleicht auch schon mal den ein oder anderen Geheimtipp, was man in der Stadt so unternehmen sollte. Hier meine beiden liebsten Accounts.

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Nach einem Monat hier kann ich nur sagen, die Leute tun Le Havre Unrecht. Klar, es ist nicht so knuffig schön wie Honfleur oder andere normannische Städte. Der Charme von Le Havre ist für mich, dass es anders ist. Man muss die schönen Ecken vielleicht etwas länger suchen als in Münster, aber dafür freut man sich umso mehr, wenn man sie findet. Und das wird man. Ich meine, die Stadt liegt am Meer, das ist doch schon mal was.

Die Sprache war tatsächlich ein größeres Problem für mich als die Stadt. Zwar verstehe ich Französisch und spreche auch gut genug, um im Alltag zurecht zu kommen, mir wurde jedoch sehr schnell bewusst, dass ich mir die Sprachbarriere kleiner vorgestellt habe. Ich hatte vergessen, dass es etwas völlig anderes ist, wenn Lehrer und nicht-Muttersprachler mit dir sprechen, als wenn du plötzlich mit waschechten Franzosen reden sollst. Wann atmen die bloß? Und immer diese Umgangssprache. Von meiner Psychologiedozentin mit dem russischen Akzent fange ich besser gar nicht an. Es hat jetzt wirklich circa einen Monat gedauert bis ich so einigermaßen in der Sprache angekommen bin. Ich habe langsam nicht mehr das Gefühl nur noch stumm wie ein Fisch neben den anderen zu stehen und vor lauter Zuhören und Verstehen gar nicht zum Sprechen zu kommen. Ist das jetzt eine lange Eingewöhnungsphase? Ich weiß es nicht, und es ist auch egal.

Der Punkt ist, dass ich mir vor dem Auslandsjahr um alles Mögliche Sorgen gemacht habe. Am Ende waren es jedoch die Sachen, um die ich mir keine Gedanken gemacht hatte, die die größten Probleme bereitet haben. Nie hätte ich gedacht, dass ich „so lange“ brauchen könnte, um Anschluss zu finden. Damit hatte ich bisher in meinem Leben nie große Probleme. Mir fiel es zunächst einfach total schwer, meinen Charakter auf Französisch rüberzubringen. Aber lasst euch von meinem mittlerweile viel entspannteren und weiseren Ich sagen: Es ist vollkommen okay, sich erst mal alleine zu fühlen. Ein Umzug in ein anderes Land ist nicht ohne. Da kommen wahnsinnig viele neue Eindrücke auf einen zu, die man erst mal verarbeiten muss. Ich war die ersten Wochen jeden Abend wahnsinnig müde. Nicht nur vom straffen Programm an der neuen Hochschule, sondern auch einfach davon, den ganzen Tag eine Fremdsprache zu hören. Das geht ganz schön auf den Kopf, zumindest ging es mir so.

Wichtig ist, sich nicht unter kriegen zu lassen. Der Schlüssel zur Sprachbarriere ist, so paradox es sein mag, einfach zu sprechen. Niemand bringt euch um, wenn ihr einen Fehler macht. Nicht mal die Franzosen, die ihre Sprache wirklich abgöttisch lieben. Im schlimmsten Fall seid ihr für den ein oder anderen Lacher gut, weil ihr alle Worte durcheinanderbringt und völligen Schwachsinn redet. Und dann? Dann lacht ihr einfach mit. Ist doch super, schon ist die seltsame Stimmung aufgelockert. Als mir das einmal klar war, wurde es wirklich einfacher und ich sage euch, sobald ich das erste Kompliment für meine Aussprache bekommen habe, ging das runter wie Öl.

Vielleicht war ich jetzt ein bisschen zu ehrlich, wenn man bedenkt, dass das ganze Internet diesen Text ab jetzt lesen kann. Mir war es aber wichtig, hier nicht alles schön zu reden. So ein Auslandsjahr ist insgesamt eine grandiose Erfahrung. Mit allen seinen Höhen und Tiefen. Und abschließend sollte also gesagt werden: Es geht mir insgesamt wirklich gut hier und ich genieße die Zeit aus vollen Zügen.
So, bis zum nächsten Beitrag dann!

x Leo

p.s.: Mehr Frankreich Content wird folgen, bleibt gespannt 😉

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2 Kommentare bei „C’est ma vie #1 | Auslandsjahr in Le Havre, FR“

  1. Ach so ein schönerPost,
    bei solchenBeiträgen werde ich immer ganz Wehmütig. Ich wollte schon immer mal ein auslandsjahr machen, aber mit Freund, Katze und eigener Wohnung und Fotostudio ist es schwer, das Nest zu verlassen.
    Aber danke, dass du deine Zeit mit uns teilst.

    schau gerne auf meinem BLOG vorbei und auf INSTAGRAM

    1. Dankeschön für den lieben Kommentar! Ich bin auch total dankbar, dass ich die Möglichkeit habe einfach mal so ins Ausland zu gehen, da kommt es mir wie das Mindeste vor, die Erfahrungen hier zu teilen. Umso besser, dass es auch jemanden interessiert 😀

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